Dr. phil. Christina Kessler

..ist Ethnologin und Gründerin des KINA (Kessler Institute for New Anthropology).

Im Mittelpunkt ihres lebenszentrischen Ansatzes steht ihre Entdeckung, der Universelle Prozess (UP) – die Selbstorganisationsstruktur des Kosmos als Lebenskompass für den Menschen. Neues wildes Denken. Interconnectives Denken.

Zur Vita

Der Ansatz:

Wildes Denken und der Universelle Prozess – Listen to the song of life

Wildes Denken, ein Begriff des französischen Ethnologen und Strukturalisten Claude Lévi-Strauss, bezeichnet das typische Denken von indigenen Kulturen, das der dualistischen Denkstruktur der westlichen Zivilisation genau entgegengesetzt ist: es ist ein verbindendes, analoges, assoziatives, holographisches, kosmo-kreatives Denken.

Kessler übernahm den Begriff und führte ihn weiter, in der Überzeugung, dass a) beide Denkstrukturen zusammengehören und b) auf richtige Weise vereint, eine grundlegende Erweiterung menschlicher Intelligenz bewirken können.

In ihren ausgedehnten crosscultural studies und Feldforschungen bei damals noch unberührten Völkern, lernte sie das wilde Denken mit Leib und Seele kennen.

Zugleich wurde ihr der ungeheure Bruch bewusst, den die Einstellung der westlichen Zivilisation mit sich brachte und im „Verlust der Anbindung an die lebendige Natur der Dinge“ gipfelte.

Die Erfahrung dieses fundamentalen Bruchs führte in der Folgezeit zu einer intensiven Beschäftigung mit den geistigen Traditionen der Weltkulturen und schließlich zur Entdeckung des Universellen Prozesses – des in allen Kulturen codierten Prinzips Leben.

Praxis

Das Life Intelligence Program – Getting to the heart of things

Als Prinzip der Selbstregulation und Selbsttranszendenz ist der UP Leitmotiv für alle Lebens-, Beziehungs-, Kommunikations- und Change-Prozesse.

In der praktischen Umsetzung lässt er eine Anthropologie der Liebe sichtbar werden, die sich durch die Emergenz intrinsischer Werte oder „Herzensqualitäten“ kontinuierlich selbst bestätigt und aufrecht erhält.

Das neue wilde Denken, der UP, die 33 Herzensqualitäten und die Arbeit an den kulturellen Konditionierungen der westlichen Zivilisation verschmolzen in den Kessler-Trainings zu einer fließenden Praxis, die unmittelbar in den Alltag integriert werden kann und keiner zusätzlichen Übungen bedarf. Seit mehr als 20 Jahren stellt sich dabei jene durchschlagende Wirkung unter Beweis, wie sie nur durch die Wende zum Wesentlichen erzielt werden kann.

Mit ihrer Arbeit engagiert sie sich für das Recht eines jeden Menschen, seine wahre Natur finden und sein Potenzial verwirklichen zu können. Und dies auf eine neue Weise – befreit aus dem Korsett von konstruierten Ideologien und institutionalisierten Religionen, umgebettet in die unmittelbare Erfahrbarkeit der Lebensintelligenz selbst.

Die Selbstrealisation des Einzelnen moduliert dabei nicht nur den gegenwärtigen globalen Wandel, sie bildet auch das Fundament für eine ko-kreative Denk- und Beziehungskultur.

In diesem Zusammenhang spricht Kessler von einer anstehenden kulturellen Entzähmung.

Paradigmenwechsel

Von der Spiritualität zur New Anthropology – Untaming ourselves, untaming our world

Bis vor wenigen Jahren arbeitete Christina Kessler populärwissenschaftlich. Ihre Erkenntnisse passten weder in den damaligen wissenschaftlichen Rahmen noch zum Kulturrelativismus der Postmoderne. Universales Wissen war nicht gefragt, es galt als Verallgemeinerung und Gleichmache und schien der Einzigartigkeit der Kulturen nicht gerecht zu werden. So kehrte sie dem akademischen Betrieb den Rücken und fand in der integralen Spiritualität eine Nische, wo sie zudem viele Menschen erreichen konnte.

Doch die Zeiten ändern sich.

Nachdem es heute keine Kulturen mehr zu beschreiben gibt und unsere krisengeschüttelte Welt mit dem bisherigen Denken nicht mehr weiterkommt, steht die Ethnologie vor ganz neuen Fragen und Aufgabenstellungen: „Was machen wir nun mit dem ganzen Wissen? Könnte es sein, dass uns cultural universals tatsächlich neue, erweiterte, übergeordnete Perspektiven eröffnen und alternative Möglichkeiten für die Lösung unserer menschlichen Probleme bieten?“

Auf jeden Fall. Ja!

Für Christina Kessler ist die aus der Ethnologie erwachsende New Anthropology der ideale Nährboden für das geistige Erbe der Menschheit und jene essentiellen Erkenntnisse, wie sie heute im Kulturvergleich möglich werden.

Aus einem anderen Grund noch sieht Kessler die Anthropologie als entscheidende Disziplin der Zukunft.

12 Jahre stand sie in engem Austausch mit dem Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, Nobelpreisträger und Träger des Alternativen Nobelpreises.

Heute ist klar, dass die neue Physik den Durchbruch in ein neues Weltverständnis bedeutet – ein Weltverständnis, das sich mit der Essenz der geistigen Traditionen als kongruent erweist. Damit dieses Weltbild jedoch überhaupt adaptiert werden kann, braucht es unbedingt ein kompatibles, interconnectives Menschenverständnis – das auch und gerade mit dem Selbstverständnis des Einzelnen zu tun hat, das obendrein der Globalisierung standhält und die Brücke zu den übrigen wissenschaftlichen Disziplinen schlägt.

„Das schafft nur die neue Anthropologie“, so Christina Kessler. Nach 30 Jahren an der Peripherie, lässt sich ihr Ansatz heute mühelos in diese faszinierende, neu aus sich selbst hervorgehende Wissenschaft vom Menschen integrieren.